Auf dieser Seite möchte ich euch Geschichten und Gedichte vorstellen, die mich sehr gerührt haben und die mir schon über manch schwere Zeit hinweggeholfen haben. Wer etwas passendes hat, kann es mir gern schicken. Ich freu mich immer über neue Geschichten, die ich noch nicht kenne.

 

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GESCHICHTEN

 

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Willkommen in Holland
von Emily Pearl Kingsley

Ich werde oft gefragt zu erklären wie man sich fühlt ein Kind aufzuziehen, das eine Behinderung hat --- um Leuten das Gefühl dieser einzigartige Beziehung zu erklären benutze ich gerne eine Parabel. ES IST SO:
Wenn man ein Baby bekommt, ist es so als ob man sich auf eine fantastische Reise begibt --- nach Italien. Man kauft eine Menge an Touristenführern und macht wundervolle Pläne. Das Kolosseum. Den Michaelangelo, David, Die Gondeln in Venedig. Man lernt bestimmt auch ein paar Wörter auf Italienisch. Kurz es ist eine sehr schöne Zeit.
Nach einigen Monaten der schönen Vorbereitung ist endlich der große Tag da !!! Du packst deine Koffer !!! Einige Stunden später, das Flugzeug landet. Die Stewardess kommt und sagt "Willkommen in Holland".
"Holland?" sagst du. "Was meinen Sie? Ich habe doch einen Urlaub nach Italien gebucht!!! Ich soll doch in Italien sein. Mein ganzes Leben habe ich davon geträumt nach Italien zu fliegen."
Aber da war eine Flugplanänderung. Der Flieger ist in Holland gelandet und du musst da bleiben.

Das wichtigste ist, dass du nicht in einem dreckigen, seuchenverpesteten Land gelandet bist. Es ist nur anders !!
Also, jetzt fängst du wieder an und kaufst neue Touristenführer. Du musst jetzt eine völlig neue Sprache lernen. Und du wirst eine total neue Gruppe von Menschen treffen, die du vielleicht niemals kennengelernt hättest, wenn die Dinge anders wären.

Es ist nur ein anderer Ort. Es ist langsamer als Italien, vielleicht nicht so viel Glamour. Aber wenn du eine Zeit lang dort bist, merkst du schnell, dass es auch seine Vorteile hat. Du fängst an um dich zu schauen: Holland hat wunderschöne Windmühlen, Holland hat Tulpen. Holland hat sogar Rembrandt.
Aber jeder, den du kennst, ist zu beschäftigt, die Schönheit Hollands zu erkennen, denn alle sind auf dem Weg nach Italien. Alle erzählen wie toll es doch in Italien ist und was für eine tolle Zeit der Urlaub doch war. Und --- für den Rest deines Lebens wirst du dir sagen, "Ja, das ist der Urlaub den ich geplant hatte ! (Italien) Da wollte ich auch hin!!"

Und das Gefühl verletzt zu sein, einen Traum verloren zu haben wird nie verschwinden. Denn ein großer Traum ist nicht wahr geworden, ein großer Verlust!!!
Aber wenn du immer und immer wieder den Verlust deines Italien Urlaubs beweinst, wirst du niemals die Schönheit Hollands und dessen spezielle Sehenswürdigkeiten sehen, kennen und lieben lernen. Denn Holland ist genauso wie Italien eine Erfahrung für sich und den Betrachter.

 

 

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Ein Regenbogenmärchen
Für alle, die den Regenbogen lieben ...

Vor langer Zeit begannen die Farben dieser Welt zu streiten. Jede behauptete von sich, sie sei die Beste, die Wichtigste, die Nützlichste, die Beliebteste!

GRÜN sagte:
Klar bin ich die Wichtigste! Ich bin das Symbol für Leben und Hoffnung. Ich wurde gewählt für das Gras, für die Bäume und die Blätter. Ohne mich würden alle Tiere sterben. Schaut euch doch in der Landschaft um und ihr werdet sehen, dass ich in der Mehrheit bin!

BLAU unterbrach:
Du denkst nur an die Erde! Aber betrachte doch den Himmel und das Meer! Es ist das Wasser, das die Basis für alles Leben ist und von den Tiefen des Meeres in die Wolken hinaufgezogen wird. Der Himmel gibt Raum, Frieden und Unendlichkeit. Ohne meinen Frieden wärt ihr alle nichts!

GELB lachte in sich hinein:
Ihr seid alle so ernst. Ich bringe Lachen, Fröhlichkeit und Wärme in die Welt. Die Sonne ist gelb, der Mond ist gelb, die Sterne sind gelb ... Eine Sonnenblume bringt die Welt zum Lächeln. Ohne mich gäbe es keinen Spass!

Als nächste begann ORANGE ihr Lob zu singen:
Ich bin die Farbe der Gesundheit und der Erneuerung. Ich mag rar sein, aber kostbar, denn ich diene den Bedürfnissen menschlichen Lebens. Ich überbringe die wichtigsten Vitamine. Denkt an Karotten, Kürbis, Mangos und Papayas. Ich hänge nicht ständig herum, aber wenn ich den Himmel zum Sonnenauf- oder -untergang färbe, ist meine Schönheit so eindrucksvoll, dass niemand einen Gedanken an einen von euch verschwendet.

ROT konnte es nicht länger aushalten und rief aus:
Ich bin der Herrscher von allen! Ich bin das Blut - Lebensblut! Ich bin die Farbe der Gefahr und der Tapferkeit. Ich bin bereit für etwas zu kämpfen. Ich bringe Feuer ins Blut. Ohne mich wäre die Erde so leer wie der Mond. Ich bin die Farbe der Leidenschaft und der Liebe, der roten Rose und der Mohnblume.

PURPUR erhob sich zu ihrer vollen Größe: Sie war sehr groß und sprach mit Pomp:
Ich bin die Farbe der Fürsten und der Macht. Könige, Häuptlinge und Bischöfe haben immer meine Farbe gewählt, weil ich das Symbol für Autorität und Weisheit bin. Niemand zweifelt an mir, man hört und gehorcht.

Schließlich sprach INDIGO, viel leiser als all die anderen, aber mit ebensolcher Bestimmtheit:
Denkt an mich. Ich bin die Farbe der Stille. Ihr nehmt mich kaum wahr, aber ohne mich würdet ihr alle oberflächlich werden. Ich repräsentiere Gedanken und Betrachtung, Zwielicht und tiefes Wasser. Ihr braucht mich für das Gleichgewicht und für den Kontrast, für das Gebet und den inneren Frieden.

Und so fuhren die Farben fort zu prahlen, jede von ihrer eigenen Erhabenheit überzeugt. Ihr Streit wurde lauter und lauter. Plötzlich war da ein heller Blitz und grollender Donner. Regen prasselte schonungslos auf sie nieder. Die Farben drückten sich voll Furcht einer an den anderen, um sich zu schützen.

Inmitten des Lärms begann der REGEN zu sprechen:
"Ihr dummen Farben streitet untereinander und versucht den anderen zu übertrumpfen!
Wisst ihr nicht, dass jeder von euch für einen ganz bestimmten Zweck geschaffen wurde, einzigartig und besonders? Reicht euch die Hände und kommt zu mir."

Sie taten wie ihnen geheißen wurde, sie kamen zusammen und reichten sich die Hände.

Der Regen fuhr fort:
Von nun an, wenn es regnet, erstreckt sich jede von euch in einem großen Bogen über den Himmel, um daran zu erinnern, dass ihr alle in Frieden miteinander leben könnt. Der Regenbogen ist ein Zeichen der Hoffnung auf ein Morgen. Daher, immer wenn ein guter Regen die Welt wäscht und ein Regenbogen am Himmel erscheint, erinnern wir uns daran, einer den anderen zu würdigen.

Freundschaft ist wie ein Regenbogen:

Rot, wie ein Apfel, süß bis ins Innerste.

Orange, wie eine brennende Flamme, die niemals auslöscht.

Gelb, wie die Sonne, die deinen Tag erhellt.

Grün, wie eine Pflanze, die nicht aufhört zu wachsen.

Blau, wie das Wasser, das so rein ist.

Purpur, wie eine Blume, die bereit ist, aufzublühen.

Indigo, wie die Träume, die dein Herz erfüllen.

Mögen wir alle Freundschaften finden, die dieser Schönheit gleichen.

 

 

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Wie Mütter erschaffen wurden

Es war der sechste Tag, als Gott die Mütter schuf. Und er machte bereits Überstunden. Ein Engel erschien und fragte: "Warum brauchst Du soviel Zeit für dieses Exemplar?" Der Herr antwortete dem Engel: "Hast du die Beschreibung für dieses Exemplar gelesen? Sie muss komplett waschbar sein, aber nicht aus Plastik, zweihundert bewegliche Teile haben, alle auswechselbar und mit schwarzem Kaffee überleben können.
Sie braucht einen Schoß auf dem drei Kinder Platz haben und der verschwindet, wenn sie aufsteht. Sie hat einen Kuss der alles heilt, vom Kratzer bis zum gebrochenen Herzen. Und sie hat sechs Paar Hände!" Der Engel war erstaunt über die Anforderungen die an dieses Geschöpf gestellt wurden.
"Sechs Paar Hände? Nicht zu machen!" Der Herr erwiderte: "Oh, es sind nicht die Hände, die mir Schwierigkeiten machen. Es sind die drei Paar Augen, die Mütter haben müssen!" "Und das alles für das Standardmodell?" Der Engel war verblüfft. Doch Gott nickte zustimmend. "Ja, ein Paar Augen um durch geschlossene Türen zu sehen, wenn sie ihre Kinder fragt, was sie gerade tun, obwohl sie es schon weiß. Ein zweites Paar an der hinteren Seite ihres Kopfes, damit sie sieht, was hinter ihrem Rücken vorgeht, obwohl jeder denkt, dass sie das nicht kann. Und ein Paar in ihrem Gesicht. Mit diesen Augen kann sie ein mutloses und trauriges Kind ohne ein Wort wissen lassen, dass sie es versteht und bedingungslos liebt.
Der Engel versuchte, Gott zum Aufhören zu bewegen. "Das ist viel zu viel Arbeit für einen einzigen Tag. Mach Feierabend und mach morgen früh weiter!"
"Ich kann nicht aufhören!" widersprach Gott dem Engel energisch! "Ich bin doch fast fertig und dieses Geschöpf steht meinem Herzen doch so nahe! Nein, ich kann jetzt nicht aufhören! Sie ist so eine wunderbare Person. Sie pflegt sich selbst gesund und versorgt ihre ganze Familie mit Essen. Und nebenher bringt sie es fertig, dass ihr Neunjähriger sich duscht."

Der Engel kam näher und berührte die Frau. "Aber du hast sie so weich gemacht, Herr!" Gott stimmte zu: "Ja, sie ist weich und anschmiegsam. Aber ich habe sie genauso stark gemacht.
Du hast keine Ahnung was sie ertragen und erreichen kann." "Kann sie auch denken?" fragte der Engel. "Oh, sie wird nicht nur denken können," entgegnete Gott, "sie kann auch diskutieren und verhandeln."

Dann bemerkte der Engel etwas und berührte das Gesicht der Frau. "Ups, sieht aus als hätte dieses Model ein Leck. Ich habe dir ja gesagt, du versuchst zu viel in sie hineinzupacken."

Doch Gott widersprach: "Das ist doch kein Leck! Das ist eine Träne." Erstaunt fragte der Engel: "Eine Träne? Für was soll die denn gut sein?" "Nun," sagte Gott, "die Träne ist ihre Art um ihre Freude, ihr Bedauern, ihren Schmerz, ihre Einsamkeit, ihre Traurigkeit und ihren Stolz
auszudrücken."

Der Engel war beeindruckt. "Du bist ein Genie, Herr! Du hast wirklich an alles gedacht. Du hast sogar eine Träne geschaffen!" Gott schaute den Engel lächelnd an. "Ich glaube, auch hier liegst du falsch. Ich habe zwar die Frau geschaffen, aber sie hat die Tränen erfunden."

 

 

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Dass die Vögel der Traurigkeit über deinem Kopf kreisen,
kannst du nicht verhindern.
Aber dass sie Nester in deinem Haar bauen,
das kannst du verhindern !
-Khalil Gibran-

 

 

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Freund, wenn du dieses Haus betrittst,
vieles nicht ganz sauber blitzt.
Man sieht, das es hier Kinder gibt,
die man mehr als putzen liebt!

Da sieht man Spuren an den Wänden,
kreiert von flinken kleinen Händen.
Das machen wir mal später weg,
jetzt spielen wir zuerst Versteck.

Spielzeug liegt an jedem Ort,
doch eines Tages ist es fort.
Kinder sind uns nur geliehen,
bis sie erwachsen von uns ziehen.

Dann läuft der Haushalt wie erträumt,
dann ist auch alles aufgeräumt.
Jetzt freu'n wir uns an unseren Gören
und lassen uns dabei nicht stören!

 

 

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Das Märchen von der traurigen Traurigkeit
(von Inge Wuthe)

Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlang kam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens.

Bei einer zusammengekauerten Gestalt blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen, das da im Staub auf dem Wege saß, schien fast körperlos. Sie erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen.
Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte: "Wer bist du?" Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. "Ich? Ich bin die Traurigkeit", flüsterte die Stimme stockend und leise, dass sie kaum zu hören war. "Ach, die Traurigkeit!" rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte grüßen.

"Du kennst mich?" fragte die Traurigkeit misstrauisch. "Natürlich kenne ich dich! Immer wieder hast du mich ein Stück des Weges begleitet." "Ja, aber...", argwöhnte die Traurigkeit, "warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?"
"Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, dass du jeden Flüchtling einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?" "Ich... bin traurig", antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme. "

Die kleine alte Frau setzte sich zu ihr. "Traurig bist du also", sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. "Erzähl mir doch, was dich so bedrückt." Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht. "Ach, weißt du", begann sie zögernd und äußerst verwundert, "es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen.

Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest." Die Traurigkeit schluckte schwer. "Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen.
Sie sagen: Papperlapapp, das Leben ist heiter. Und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot.
Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht. Und dann bekommen sie Herzschmerzen.
Sie sagen: Man muss sich nur zusammenreißen. Und spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken.
Sie sagen: Nur Schwächlinge weinen. Und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe.
Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen."
"Oh ja", bestätigte die alte Frau, "solche Menschen sind mir schon oft begegnet."

Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. "Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist, hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf, wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zulässt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen.

Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich ihnen dabei helfe. Statt dessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu." Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt.

Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlte, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel.
"Weine nur, Traurigkeit", flüsterte sie liebevoll, "ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr an Macht gewinnt."
Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin: "Aber ... aber - wer bist eigentlich du?"

"Ich?" sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd, und dann lächelte sie wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen.

"Ich bin die Hoffnung."

 

 

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Es war einmal ein Kind, das bereit war, geboren zu werden.
Das Kind fragte Gott: "Sie sagen mir, dass Du mich auf die Erde schicken wirst, aber wie soll ich dort leben , wo ich doch so klein und hilflos bin?"
Gott antwortete: "Von allen Engeln suche ich einen für Dich aus. Dein Engel wird auf Dich warten und auf Dich aufpassen!"
Das Kind erkundigte sich weiter: "Aber sag, hier im Himmel brauchte ich nichts zutun als singen und lachen, um fröhlich zu sein!"
Gott sagte: "Dein Engel wird für Dich singen und auch für Dich lachen, jeden Tag. Und Du wirst die Liebe Deines Engels fühlen und sehr glücklich sein."
Wieder fragte das Kind: "Und wie werde ich in der Lage sein, die Leute zu verstehen, wenn sie zu mir sprechen und ich die Sprache nicht kenne?"
Gott sagte: "Dein Engel wird Dir die schönsten und süßesten Worte sagen, die Du jemals hören wirst, und mit viel Ruhe und Geduld wird Dein Engel Dich lehren zu sprechen!"
"Und was werde ich tun, wenn ich mit Dir reden möchte?"
Gott sagte: "Dein Engel wird Deine Hände aneinander legen und Dich lehren zu beten!"
"Ich habe gehört, dass es auf der Erde böse Menschen gibt. Wer wird mich beschützen?"
Gott sagte: "Dein Engel wird Dich verteidigen, auch wenn er dabei sein Leben riskiert!"
"Aber ich werde immer traurig sein, weil ich Dich niemals wiedersehe!"
Gott sagte: "Dein Engel wird mit Dir über mich sprechen und Dir den Weg zeigen, auf dem Du immer wieder zu mir zurückkommen kannst. Dadurch werde ich immer in Deiner Nähe sein!"
In diesem Moment herrschte viel Frieden im Himmel, aber man konnte schon Stimmen von der Erde hören und das Kind fragte schnell: "Gott, bevor ich Dich verlassen muss, bitte sage mir den Namen meines Engels!"
"Sein Name ist nicht wichtig. Du wirst ihn einfach "MAMA" nennen!"

 

 

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1. Sind so kleine Hände,
Winzige Finger dran.
Darf man nie drauf schlagen,
Die zerbrechen dann.

2. Sind so kleine Füße,
Mit so kleinen Zehn.
Darf man nie drauf treten,
Könn' sie sonst nicht gehn.

3. Sind so kleine Ohren,
Scharf, und ihr erlaubt,
Darf man nie zerbrüllen,
Werden davon taub.

4. Sind so schöne Münder,
Sprechen alles aus.
Darf man nie verbieten,
Kommt sonst nichts mehr raus.
5. Sind so klare Augen,
Die noch alles sehn.
Darf man nie verbinden,
Könn' sie nichts verstehn.

6. Sind so kleine Seelen,
Offen und ganz frei.
Darf man niemals quälen,
Gehn kaputt dabei.

7. Ist so'n kleines Rückgrat,
Sieht man fast noch nicht.
Darf man niemals beugen,
Weil es sonst zerbricht.

8. Grade, klare Menschen
Wär'n ein schönes Ziel.
Leute ohne Rückgrat
Hab'n wir schon zuviel.

 

 

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Lass Deine Seele Zeit

Lass Deiner Seele Zeit, Verlorenes zu beweinen.
Alles, was du in Dir fühlst, will durchlebt sein:
Angst und Wut, Trauer und Empörung,
Unsicherheit und Entschlossenheit.
Alles gehört zu dir,
ist Zeichen deines Lebendigseins.
Auch, wenn die Angst widerspricht:
Der Tag wird kommen,
da du wieder frei aufatmen wirst.
Du gehst auf ihn zu,
mit jedem Schritt, den Du tust.

von Susanne Nägeli.

 

 

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Der behinderte Engel

Das ganze Jahr war der Engel froh und zufrieden und lächelte trotz seiner Behinderung. Er konnte nicht so schnell wie die anderen fliegen. Ein Flügel war im Laufe der Zeit lahm geworden. Warum, wusste keiner. Irgendwann passierte es. Der Engel wurde langsamer beim Fliegen, und es kostete ihn viel Kraft, mit den anderen mitzuhalten. Dann gab er es auf, so schnell wie die anderen fliegen zu wollen. Er flog langsamer, und kam so auch an sein Ziel. Doch weite Flüge traute er sich nicht mehr zu, und so war er schon arm dran, denn er war ein Weihnachtsengel, der nur einmal im Jahr auf die Erde durfte und nun nicht mehr konnte.

In der Adventszeit im Dezember wurde er traurig und immer stiller. Er ließ sich bei den anderen Engeln nichts anmerken. Wenn sie mit ihm sprachen, lächelte er und tat so, als ob ihn nichts bedrücke. Doch das stimmte nicht. Leise weinte er ein paar Tränen, wenn er daran dachte, dass die anderen Engel in der Weihnachtszeit zur Erde hinab fliegen würden und er im Himmel bleiben müsste, weil der Weg dorthin zu weit für ihn war.

Der Nikolaus beobachtete den Engel schon eine geraume Zeit. Ihm war es aufgefallen, dass er nicht mehr so fröhlich war und selten sprach. Er arbeitete wie wild an der Fertigung der Geschenke. Dadurch wollte er sich ablenken von seiner Traurigkeit.

Eines Morgens nahm ihn der Nikolaus auf den Schoß und erkundigte sich bei dem Engel, warum er so niedergeschlagen sei. Beim Erzählen rollten dem Weihnachtsengel mit dem lahmen Flügel viele Tränen aus den Augen. Der Nikolaus holte sein schneeweißes Taschentuch aus dem roten Mantel und putzte liebevoll das Gesicht wieder trocken. Nun wusste er, was den Engel bedrückte, dass er Heimweh nach der Erde hatte, dass er sich wünschte, einige ihm lieb gewordene Kinder wieder zu sehen und dass er sich wegen seines lahmen Flügels den weiten Weg zur Erde nicht mehr zutraute. "Ich nehme Dich auf meinem Schlitten mit," sagte da der Nikolaus zum Weihnachtsengel. "Du musst Dich nur warm anziehen und Dich gut bei mir festhalten. Dann kann Dir nichts passieren, und Du kannst nach allen Deinen lieben Kindern heimlich sehen. Wenn Dir das Schlittenfahren auf den Wolken gefällt, kannst Du jedes Jahr mit mir fahren. Die Augen des Engels glänzten, und er drückte dem Nikolaus einen Kuss auf die Nase. So glücklich war der Weihnachtsengel.

Er sah allerliebst aus, als er auf den Schlitten stieg. Auf dem Kopf trug er Ohrenschützer aus weißem Fell. Dazu passend steckten die zarten Hände in einem wunderschönen, weichen Muff. Der Engel hatte mehrere Hemden mit goldenen und silbernen Sternen übereinander gezogen, und die Füße steckten in goldenen Stiefelchen. Der Fahrtwind war viel stärker als beim Selbstfliegen, und das Gesicht des Engels schmerzte. Er drückte sich immer näher an den Nikolaus und klammerte sich bei ihm fest, um nicht fort geblasen zu werden. Der Nikolaus nahm ihn auf seinen Schoß und hüllte ihn in seinen großen, roten Mantel ein. Nun fühlte sich der Weihnachtsengel warm und gut und schlief ein.

Er wachte erst wieder auf, als Nikolaus auf der Erde war. Alles war wie früher. Er sah die geschmückten Weihnachtsbäume, hörte die Kinder lachen, sah ihnen beim Spielen zu und war selbst froh und glücklich. Er war wieder auf der Erde und würde seine Aufgabe erfüllen wie jedes Jahr.

 

 

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Die meisten Frauen werden durch Zufall Mutter, manche freiwillig, einige
unter gesellschaftlichem Druck und ein paar aus reiner Gewohnheit.
Dieses Jahr werden 100.000 Frauen Mütter behinderter Kinder werden.
Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, nach welchen
Kriterien die Mütter behinderter Kinder auserwählt werden?
Ich stelle mir Gott vor, wie er über die Erde schwebt und sich die Werkzeuge
der Arterhaltung mit größter Sorgfalt und Überlegung aussucht. Er
beobachtet genau und diktiert dann seinem Engel Anweisungen ins riesige Buch.
Er nennt einen Namen und sagt "Der gebe ich ein behindertes Kind".
"Warum gerade ihr, o Herr, sie ist doch so glücklich?"
"Eben deswegen", sagt Gott lächelnd, "kann ich einem behinderten Kind
eine Mutter geben, die das Lachen nicht kennt, das wäre grausam."
"Aber hat sie die nötige Geduld?" fragt der Engel.
"Ich will nicht, dass sie zuviel Geduld hat, sonst ertrinkt sie in einem Meer
von Selbstmitleid und Verzweiflung. Wenn der anfängliche Schock und Zorn
erst abgeklungen ist, wird sie es tadellos schaffen. Ich habe sie heute
beobachtet. Sie hat den Sinn für Selbständigkeit und Unabhängigkeit, die
bei Müttern so selten und so nötig sind. Verstehst du: das Kind, dass ich
ihr schenken werde, wird in seiner eigenen Welt wohnen. Und sie muss es
zwingen, in der ihren zu leben, das wird nicht einfach sein."
"Aber Herr, soviel ich weiß, zweifelt sie manchmal an dir."
Gott lächelt, "das macht nichts, das bringe ich schon in Ordnung. Nein sie
ist hervorragend geeignet. Sie hat genügend Egoismus."
Der Engel ringt nach Luft "Egoismus, ist das denn eine Tugend?"
Gott nickt "Wenn sie sich nicht gelegentlich von dem Kind trennen kann,
wird sie das alles nicht überstehen. Diese Frau ist es, die ich mit einem
nicht vollkommenden Kind beschenken werde. Sie weiß es zwar noch
nicht, aber sie ist zu beneiden.
Nie wird sie ein gesprochenes Wort als Selbstverständlich hinnehmen. Nie
einen Schritt als etwas Alltägliches. Wenn ihr Kind zum ersten Mal "Mama"
sagt, wird ihr klar, dass sie ein Wunder erlebt.
Wenn sie ihrem blinden Kind einen Baum, einen Sonnenuntergang erklärt,
wird sie ihn so sehen, wie nur wenige Menschen meiner Schöpfung ihn
jemals schon gesehen haben. Ich werde ihr erlauben, alles deutlich zu
erkennen, was auch ich erkenne-Unwissenheit, Grausamkeit, Vorurteile-,
und ich werde ihr erlauben, sich darüber zu erheben.
Sie wird niemals alleine sein. Ich werde bei ihr sein an jedem Tag ihres
Lebens, jede Minute, weil sie meine Arbeit eben so sicher tut, als sei sie
hier neben mir."
"Und was bekommt sie für einen Schutzheiligen?" fragt der Engel mit
gezückter Feder. Da lächelt Gott "ein Spiegel wird genügen!"

 

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es war einmal eine Insel, wo alle verschiedenen Gefühle lebten. Das Glück, die Traurigkeit, das Wissen und all die Anderen..... auch die Liebe. Eines Tages meldete man den Gefühlen, dass die Insel sinken wird. So bereiteten sie ihre Schiffe vor und verließen die Insel. Nur die Liebe wollte bis zum letzten Moment bleiben. Als die Insel unterging, rief sie um Hilfe. Der Reichtum war in der Nähe mit einem Luxusschiff. Die Liebe fragte ihn: Reichtum, kannst du mir helfen? - Nein, weil ich zuviel Geld und Gold auf meinem Schiff habe, so hab ich keinen Platz für dich. Die Liebe fragte sodann den Hochmut um Hilfe, der auch in der Nähe mit seinem wunderschönen Boot vorbeifuhr. Ich kann dir nicht helfen. Du bist ganz naß, du könntest mein Schiff beschmutzen. Als die Traurigkeit nicht weit vorbeisegelte, fragte die Liebe: Traurigkeit, laß mich mit dir gehen! Oooh... Liebe, ich bin soo traurig, ich möchte besser alleine bleiben. Auch das Glück ist weiter gefahren. Es war sooo glücklich, dass es die Liebe nicht hörte... Und plötzlich hörte die Liebe eine Stimme: Komm, komm mit!Ich nehm dich mit. Das war ein alter Mann, der gesprochen hatte. Die Liebe war so glücklich, so zufrieden, dass es nicht nach seinem Namen gefragt hat. Als beide auf festem Boden ankamen, ging der Alte weg. Die Liebe merkte, wieviel es dem Alten schuldete und fragte das Wissen: Wer hat mir geholfen? Das war die Zeit, antwortete das Wissen. Die Zeit?!?, fragte die Liebe, aber warum hat die Zeit mich gerettet? Das Wissen lächelte weise und antwortete ihr: Weil nur die Zeit verstehen kann, wie wichtig Liebe im Leben ist....

 

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Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe.
Eine große Menschenmenge versammelte sich, und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt.
Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm Recht, es
war wirklich das schönste Herz, das sie je gesehen hatten. Der junge
Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter über sein schönes Herz.
Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: "Nun, Dein Herz ist nicht mal annähernd so schön, wie meines."
Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an.
Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo
Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren.
Aber sie passten nicht richtig, und es gab einige ausgefranste
Ecken.....genau gesagt... an einigen Stellen waren tiefe Furchen, wo ganze Teile fehlten.
Die Leute starrten ihn an: wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner, dachten sie?
Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und
lachte: "Du musst scherzen", sagte er, "dein Herz mit meinem zu
vergleichen. Meines ist perfekt und deines ist ein Durcheinander aus
Narben und Tränen."
"Ja", sagte der alte Mann, "Deines sieht perfekt aus, aber ich würde
niemals mit Dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen, und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten.
Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen.
Liebe geben heißt manchmal auch ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese
Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde...und ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?"
Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen. Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus.
Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an.
Der alte Mann nahm das Angebot an, setzte es in sein Herz.
Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde in des jungen Mannes Herzen.
Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte. Der
junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen.
Sie umarmten sich und gingen weg, Seite an Seite.
Narben auf dem Körper bedeuten, daß man gelebt hat....
Narben auf der Seele bedeuten, daß man geliebt hat...

 

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Als die Traurigkeit genug von sich hatte

Eines Tages saß die Traurigkeit in einer Ecke und erzählte der Verzweiflung, dass ihre Schwester, die Kraft, sie verlassen hat. Die Einsamkeit sagte kein Wort, sie habe es ohnehin schon immer gewusst. Das Selbstmitleid strich der Traurigkeit behutsam eine Träne von der Wange und versuchte vergeblich sie zu trösten. Die Wahrheit lies sich nicht beirren- sie war schon immer bitter gewesen. Plötzlich pochte es an der Tür. "Soll ich öffnen?", fragte die Unentschlossenheit. "Na, mach schon auf", forderte das Risiko. "Wer kann das schon sein?", wunderte sich die Neugier. Das Staunen gab einen erleichterten Seuftzer von sich, als das Lächeln eintrat. Es setzte sich zur Traurigkeit. "Hast du denn noch nicht genug von dir?", wollte das Lächeln wissen. "Komm, lass uns die Liebe besuchen." "Nein", wandte die Vernunft ein, "Tu's nicht!", doch die Traurigkeit war schon mit dem Lächeln verschwunden. Die Liebe wohnte hoch über den Wolken und hieß die beiden Besucher "Herzlich Willkommen". "Schön, dass du da bist.", sagte die Freude, die gerade mit dem Gefühl spielte. "Wir haben dich schon vermisst.", meinte die Geborgenheit. "Ich habe es nicht mehr ausgehalten.", schluchzte die Traurigkeit. "Aber jetzt ist alles gut", beruhigte die Zärtlichkeit die Traurigkeit und nahm sie in die Arme. Weinend wachte die Traurigkeit auf, als sich die Hoffnung zu ihr setzte und fragte: "Was ist passiert?". "Ich hatte einen wunderschönen Traum, aber glaubst du das meine Freunde mich vergessen haben?" "Keine Sorge, wenn du versprichst, mich nie aufzugeben, wirst du noch viele Wunder erleben!", tröstete sie die Hoffnung. "Niemals würd ich dich aufgeben!", versicherte ihr die Traurigkeit und schlief beruhigt weiter... 
 

 

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